Im Strandhaus in Pakoštane

Vor zweieinhalb Wochen sind wir in Kroatien, genauer gesagt auf der Insel Vir, angekommen. Wir haben die Sonne genossen, das Meer, und vor allem: die Ruhe. Jetzt in der Nebensaison gehört die Insel ganz den Einheimischen und allerletzten Urlaubern, die vor dem Wintereinbruch noch einmal richtig Sonne tanken möchten. Wir haben uns auf einen längeren Aufenthalt eingestellt und auf beschauliche Tage in selbst gewählter Einsamkeit.

Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. 

Von Vir nach Pakoštane

Diese Redensart klingt abgedroschen, so wie die meisten Wendungen, die man oft gehört oder benutzt hat und über deren Sinn oder Unsinn man gar nicht mehr nachdenkt („Das sagt man halt so!“). Daher versuche ich es mal etwas anders: Mein Kopf hatte sich (ohne mein bewusstes Zutun) ein grobes Raster zurechtgelegt, wie die kommenden Tage oder auch Wochen wohl aussehen würden. Darin enthalten waren Spaziergänge am Strand von Vir, gelegentliche Besuche des Ortszentrums, langes Vor-sich-hin-Träumen unter der Markise vom Knuffi und ganz viel Alleinsein. Und dann beschlossen wir eines Abends spontan, einen Abstecher zu dem Fischerort Pakoštane zu unternehmen, der rund 60 Kilometer weiter südlich in Richtung Šibenik liegt. Gesagt, getan.

Karte von Norddalmatien, Pakoštane ist mit dem Pfeil markiert (Quelle: reiseinfo-dalmatien.de, bearbeitet)

Karte von Norddalmatien, Pakoštane ist mit dem Pfeil markiert (Quelle: reiseinfo-dalmatien.de, bearbeitet)

Wie in meinem ersten Beitrag über unser neues Leben im Campingbus zu lesen ist, waren wir im Frühjahr (genauer gesagt von Mitte März bis Mitte Mai) schon einmal für acht Wochen in Kroatien. Jochen hatte im Vorfeld über das Internet einen Campingplatz aufgetan, der schon geöffnet hatte und auf dem Hunde erlaubt waren – die beiden wichtigsten Kriterien zu dieser Zeit. Außerdem machte uns der für Kroatien doch eher unübliche Name des Platzes neugierig: Autocamp Nordsee. Obwohl wir recht spät (etwa 21 Uhr) dort aufschlugen, wurden wir sehr nett von „Juniorchef“ Kai begrüßt. Die nächsten Wochen gestalteten sich ebenso angenehm, unter anderem dank unseres sympathischen Platznachbarn Titanic-Werner (ein herzliches Hallo nach Delmenhorst!), der für meinen Schatz immer ein Feierabend-Bier parat hatte (welcher Feierabend eigentlich …?), launiger Runden im platzeigenen Restaurant und interessanter Gespräche mit noch interessanteren Menschen (hallo Benno, hallo Sylvie!). Für uns war klar, dass wir auf unserer Reise zumindest kurz im Autocamp vorbeischauen wollten.

In diesem Fall ist „kurz“ allerdings ein recht dehnbarer Begriff. Vor zwölf Tagen parken wir den Knuffi an unserem bewährten Standplatz (Tipp: nicht auf die große Wiese mit den vielen Womos stellen, sondern lieber unter die Olivenbäume auf der anderen Seite!), und drei Tage später finden wir uns in einem wunderschönen Strandhaus direkt am Meer wieder. Wie das kommt? Dazu muss ich wieder etwas ausholen. Schuld daran ist Horst.

Strandhaus in Pakoštane Kroatien

Direkt über und am Meer liegt das Strandhaus

 

Vom Knuffi ins Strandhaus

Horst lebt seit einigen Jahren in Pakoštane und vermietet auf dem Campingplatz Motorboote und Mobilheime – unter anderem eben genau dieses Strandhaus, auf dessen Holzterrasse ich gerade sitze, mit einem wirklich grandiosen Blick aufs Meer und dem Rauschen der Brandung in den Ohren. Wir haben den „Hamburger Jung“ bei unserem Frühjahrs-Testlauf mit Knuffi kennen gelernt, und die beiden Männer – mein Mann und Horst – haben so manch beschwingten Abend in der hiesigen Joko-Bar verbracht. Da man sich auf Anhieb sympathisch war, Horst ein wirklich feiner Kerl ist und er unser „Projekt“ toll findet, hat er uns eingeladen, in seinem Strandhaus zu bleiben. Und nun sitzen wir hier und sind dankbar für dieses Geschenk, das uns ganz unerwartet bereitet wurde.

Freunde kommen, und Freunde gehen. Diese Erfahrung müssen natürlich auch wir machen. Menschen, die uns sehr am Herzen lagen und liegen, schlagen einen anderen Weg ein oder verbringen ihre Zeit lieber mit Menschen, die besser zu der aktuellen Phase ihres Lebens passen. Das ist nicht wirklich tragisch und auch niemandem vorzuwerfen, im ersten Moment aber doch sehr verletzend und hat etwas von dem Herzschmerz einer unerwiderten Liebe. Doch in jeder – vermeintlich – negativen Erfahrung steckt eben etwas Positives, und sei es „nur“ der daraus resultierende Lerneffekt. Das Großartige an der Einladung von Horst ist, dass dir unverhofft jemand begegnet, der sich dir öffnet und ganz uneigennützig etwas anbietet. Freunde gehen, und Freunde kommen.

Strandhaus in Strandhaus Pakoštane Kroatien Meerblick

Blick von der Terrasse aufs Meer

Und nun haben wir (für unbekannte Zeit) das besinnliche Leben auf Vir gegen ein ebenfalls sehr ruhiges, aber doch ereignisreicheres Leben in „unserem“ Strandhaus in Pakoštane eingetauscht. Und bereuen es keine Sekunde! Okay, etwas vermissen wir den Knuffi (der hinter dem Haus parkt) schon, vor allem nachts. Es ist eben doch etwas anderes, in einem Raum zu schlafen, der nicht komplett von Natur umgeben ist; wir vermissen das Heulen des Winds, den Gesang der Grillen, das Rascheln von Blättern. Dafür sitzen wir oft schon vor Sonnenaufgang auf der Terrasse und sehen aufs noch dunkle Meer hinaus, bis sich das erste Licht langsam anschleicht – sitzen wir nachts hier und beobachten die Lichter der gegenüberliegenden Insel in einigen Kilometern Entfernung und diejenigen von einzelnen Fischerbooten, die im Dunkeln auf Jagd gehen.

Außerdem liebe ich es, morgens am Strand entlangzugehen in Richtung Ortszentrum (etwa zehn Minuten Fußweg, ohne sich zu beeilen) und dort in „meinem“ kleinen Supermarkt, „meiner“ Metzgerei und bei „meiner“ Obst- und Gemüsefrau einkaufen zu gehen. Es ist schön, wiedererkannt zu werden, es ist toll, frisches Obst und Gemüse (das nach etwas schmeckt!) kaufen oder sich in eins der Cafés am Meer setzen zu können, und es ist im wahrsten Sinne des Wortes umwerfend, unglaublich aufgeschlossene und liebenswürdige Menschen kennenzulernen, wenn man am wenigsten damit rechnet (wie gestern Abend geschehen). Hat man sich geistig geöffnet, scheint das Gleichdenkende auf wundersame Weise anzuziehen. Wie schön, dass wir nicht die einzigen „Spinner“ auf dieser Welt sind! Und verrückt bedeutet eben einfach nur ver-rückt – also außerhalb der Norm platziert. In diesem Sinne bin ich es gern. Und am allerliebsten mit grandiosem Blick aufs Meer – von „unserem“ Strandhaus in Pakoštane!

8 Gedanken zu “Im Strandhaus in Pakoštane

  1. Hallo ihr wunderbaren Menschen!
    Vielen Dank für diesen Blog, der es mir möglich macht, eure Reise zu verfolgen. Eure Berichte zu lesen ermöglicht eine kleine Auszeit und regt mich definitiv zu Plänen und Gedanken an 🙂
    Und Claudia schreibt auch einfach stilistisch toll.
    Ihr seht auf den Fotos wunderbar glücklich und zufrieden aus, genauso wie ihr es verdient.
    Ich denke an euch.
    Esther

    • Hallo liebe Esther,
      wie schön, dass du unsere Reise verfolgst und wir dich ein bisschen mitnehmen können. 🙂
      Wir hoffen, es geht dir gut und du hast eine schöne Zeit!
      Fühl dich lieb gedrückt,
      Claudia & Jochen

    • Hallo Philip,
      kurz und knapp: Schön, von dir zu hören! 🙂
      Hoffentlich sehen wir uns bald mal auf unserer Reise …
      Eine schöne Zeit und noch viele kreative Ideen,
      Claudia & Jochen

  2. Hallo ihr zwei Weltenbummler! Verfolge eure Reise und Aktivitäten genau und freue mich, dass es euch gut geht! Viele Grüße an Horst! Schon vergessen, komme nicht aus Delmenhorst(DEL), sondern aus Weyhe Kreis Diepholz (DH).
    Viel Spass noch! Ganz liebe Grüße vom Titanic-Werner

    • Lieber Werner,
      wir freuen uns über deinen besonders netten Kommentar hier! 🙂
      Du und die Weyhener, ihr mögt mir verzeihen ob meiner Unkenntnis … Ich sage mal ganz frevelhaft: Ist doch alles eine Ecke. 😛 Nein, ganz ernsthaft, DAS merke ich mir jetzt!
      Wir hoffen, du schaust mal wieder rein – die nächsten Tage gibt es neues Futter, versprochen.
      Liebe Grüße zurück,
      Claudia & Jochen
      PS: Horst ist schon wieder unterwegs …

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