Das Leben am Meer

Leben am Meer in Marokko

Das Leben am Meer in Marokko ist immer noch herrlich …!

Heute melde ich mich aus dem Camping „Terre d’Océan“ zurück, an der marokkanischen Atlantikküste in der Nähe von Taghazout. Wir stehen inzwischen schon wieder seit ziemlich genau anderthalb Monaten hier – und haben es immer noch nicht satt!

Die ersten zwei Wochen hatten wir Gesellschaft: von Eddy und Floh, zwei Schweizern, die in Marokko geführte Wohnmobiltouren (Blue Camel Tours) anbieten und die wir auf dem Camping „Rio Jara“ in Tarifa kennengelernt haben. Die beiden sind sehr nette, sehr unkomplizierte Menschen und wissen wie wir die marokkanische Unkompliziertheit und Gelassenheit zu schätzen – immerhin sind sie schon seit fast 20 Jahren in Marokko unterwegs und haben für ihre Tourteilnehmer gute Tipps und Ratschläge parat.

Leben am Meer in Marokko

Und auch Rocky gefällt das Leben am Meer ausgesprochen gut: Er hat sich mit Mezcla, der kleinen Mischlingshündin der beiden (die zufälligerweise gerade läufig war), recht eng angefreundet. Soll heißen: Erst wollte er sehnlichst zu ihr ins Wohnmobil, ein paar Tage später dann machte sie ihm Avancen – während Rocky schon wieder im Spielmodus war. Tja, auch bei den Hunden läuft nicht immer alles rund …!

Leben am Meer in Marokko

In dieser Zeit gab es einen regelrechten Ansturm von Schweizern, die alle zur selben Zeit nach Marokko aufgebrochen zu sein schienen. Eine sehr nette Abwechslung zu den Franzosen in Überzahl …! Aber zurück zu den Impressionen vom Leben am Meer: Die ersten Geräusche am Morgen sind das (mal mehr, mal weniger laute, aber allgegenwärtige) Rauschen des Meeres und – Vogelgezwitscher! Floh, die gerne Fotos knipst, hat einen davon vor die Linse bekommen. Übrigens stammen alle Bilder in diesem Beitrag von ihr – sind sie nicht richtig toll geworden?

Leben am Meer in Marokko

Unser Leben am Meer

Die Welt wird langsam hell, die Sonne tritt ihren Aufstieg an und wird es in etwa einer halben Stunde über den Hügel hinter uns geschafft haben, um auch uns mit Licht und Wärme zu beglücken. Der erste Weg führt von der „Kuschelhöhle“ im Alkoven zum Fenster auf der Meerseite, um die Jalousie herunterzulassen und einen ersten prüfenden Blick nach draußen zu werfen: Wird es heute wohl wieder sonnig und wolkenlos? Oder halten sich die morgendlichen Wolken tatsächlich etwas länger und lassen ein paar Tropfen Wasser fallen? Weht ein laues Lüftchen oder gibt es heute sogar Böen?

Dann der Blick aufs Meer, und damit auch auf die Fischerboote. Den ganzen Tag und die ganze Nacht über (zumindest, so weit ich das selbst überprüfen konnte …) sind sie abwechselnd unterwegs, nachts sind natürlich nur die einzelnen Lichter zu sehen. Von ihrer Beute durfte ich bisher frittierte Calamares und gegrillte Scholle probieren. (Marokkanische Schollen sind viel kleiner, aber nicht weniger lecker …!)

Leben am Meer in Marokko

Ganz wichtig ist natürlich auch der Rundumblick: Sind alle „Nachbarn“ vor, hinter, über oder unter uns noch da? Gibt es Neuzugang? Meistens erledigt das aber Rocky für uns: Nähert sich ein Mensch oder ein Tier unserem Knuffi, macht er uns unverzüglich darauf aufmerksam. Guter Hund! Ein echter Wachhund passt eben immer auf, und bewacht auch schon mal den Stuhl von unseren Nachbarn.

Leben am Meer in Marokko

Meine erste Aktion des Tages besteht dann in der Regel darin, den Teekessel auszuspülen und Tee aufzusetzen – schließlich lasse ich ihn mindestens eine Viertelstunde köcheln, so wie ich es in Tunesien gelernt habe. Am liebsten ist mir immer noch der thé à la mente (Minztee), der nachmittags schön kühlt, aber morgens empfiehlt sich als Beigabe eher Shiba, ein Kraut, dessen Geschmack für mich schwer beschreibbar ist. Vielleicht genügt zu sagen: Wer keine Kräutertees mag, wird ihn vermutlich nicht besonders mögen! Jedenfalls wird der Tee mit Shiba vorwiegend morgens und abends serviert, weil er wärmt (was ich bestätigen kann).

Der Tee köchelt also vor sich hin, und langsam wird es Zeit, an einen Gang den Hügel hinauf zu denken, zu Ahmeds kleinem Laden, um mindestens Brot, pain au chocolat (Milchbrötchen mit Schokostückchen) und eine Fünf-Liter-Buddel Wasser zu kaufen. Zeit spielt eigentlich nicht wirklich eine Rolle, aber wir kennen unser Solarsystem (das uns hier mehr als reichlich Strom liefert) und den Laderegler inzwischen so gut, dass wir anhand der angezeigten Ampere-Zahl die Zeit ziemlich genau abschätzen können: 5,4 Ampere – dann wird es wohl 10 Uhr sein! Höchste Zeit, die Markise auszufahren, um für kühle Luft vor dem Eingang zu sorgen. Außerdem lässt es sich jetzt noch prima in der Sonne sitzen, bevor es mittags zu warm dafür wird. Auch unsere Reisegefährten genießen die Sonne.

Leben am Meer in Marokko

Tja, und wie der Tag dann verläuft? Mal sehen. Wenn ich Aufträge habe, wird natürlich gearbeitet, und auch sonst gibt es reichlich zu tun: Ich liege in den letzten Zügen mit meiner neuen Geschäftswebsite (endlich, nach über zehn Jahren!), und auch Horsts Website will immer wieder aktualisiert und erweitert werden. Ein neues Design will ich ihr außerdem verpassen. Dann gibt es noch den Blog auf Reisen und auch mal private Lektüre, als Abwechslung zu den ganzen medizinischen und Werbetexten. Nicht zu vergessen die ganz alltäglichen Erledigungen, die in einer „normalen“ Wohnung eben auch anfallen. Und hat man nette Nachbarn, setzt man sich gern mal zu einem Plausch zusammen und redet über dies und das. Aber auch ohne all diese Aktivitäten würde mir nicht langweilig, das war schon als Kind so. Ein Tag in Müßiggang ist so ungefähr das Schönste, was ich mir vorstellen kann!

So fließt der Tag dahin, und ehe man sich’s versieht, fällt die Ampere-Anzeige auf 3,4 ab – nur noch ungefähr eine Stunde Sonne. Vielleicht geht es heute mal wieder, bevor die Sonne ganz weg ist, auf einen Spaziergang zum nahegelegenen Strand und zum dort gelegenen Grillrestaurant? Dort gibt es – wer hätte es gedacht! – jede Art von Fisch und Meeresfrucht, daneben natürlich auch lecker Fleischspieß oder Steak. Meine Kenntnisse der Berbersprache, die ich Ahmed und einigen anderen sehr lieben Berbern zu verdanken habe, kommen gut an und schenken uns fast immer ein strahlendes Lächeln. Für die Begrüßung und eine einfache Bestellung reicht’s auf jeden Fall! Mit der Schrift hapert es noch gewaltig; das Berber-Alphabet besteht zwar nicht, wie Arabisch, aus geschwungenen Linien und Punkten oder Strichen und wird immerhin von links nach rechts gelesen, aber einfacher zu verstehen sind die Schriftzeichen trotzdem nicht. Sie erinnern etwas an Griechisch, etwas an Kyrillisch  – und ganz gewaltig an eine Symbolsprache.

Leben am Meer in Marokko Berber Alphabet

Quelle: worldtranslationcenter.com

Egal, ob im Restaurant am Strand oder vor dem Knuffi auf dem Felsen: Unvermeidlich geht jeden Abend schließlich die Sonne unter, oft verbunden mit einem wahren Farbenmeer aus Gelb, Orange und Rot, manchmal Pink. Auch dieses Spektakel hat Floh wunderschön mit ihrer Kamera eingefangen.

Leben am Meer in Marokko

Und damit wird dann endgültig der gemütliche Teil des Tages (oder besser: Abends) eingeläutet, gearbeitet wird eigentlich nur, solange es hell ist. Überhaupt findet man hier so nah an der Natur allmählich zu einem natürlichen Rhythmus zurück: wach werden mit oder kurz vor Sonnenaufgang, körperliche Tätigkeiten am besten morgens erledigen, Siesta am Nachmittag, Feierabend beim Verschwinden der Sonne und schlafen gehen weit vor Mitternacht. So, wie es wohl gedacht ist.

Natürlicher Rhythmus oder nicht: Ich fühle mich immer noch sauwohl hier, und das sogar jeden Tag mehr, mit meinem Leben am Meer. Nach fast zwei Monaten Marokko kann ich jetzt behaupten, wieder in den „ruhigen Modus“ gewechselt zu haben, in eine gesunde Mischung aus Arbeit und Ausruhen, aus Pflicht und Vergnügen. Gedauert hat es sogar noch länger, als ich gedacht (und im letzten Beitrag geschrieben) habe. Ich versuche, jeden Tag zu genießen und so zu nehmen, wie er kommt – und meist gelingt mir das auch!

Und zum Schluss geht noch ein ganz besonders lieber Gruß an Eddy und Floh nach Tarifa, die in zwei Wochen von dort aus ihre nächste Tour starten. Gute Besserung, kuriert euch aus und freut euch auf die marokkanische Sonne! Inschallah sehen wir uns in Zagora wieder, auf unserer nächsten Station in Marokko, von wo ich wieder berichten werde. Und nochmals lieben Dank für die wunderschönen Fotos!

alle Fotos: Claudia Ebner

Ein Gedanke zu “Das Leben am Meer

  1. Hallo ihr Weltenbummler,
    haben den Reisebericht und die wunderschönen Bilder von
    eurem momentanen Marokko Aufenthalt gelesen und freuen uns,
    dass es euch gut geht und ihr so schöne Tage direkt am Meer
    im Einklang mit der Natur verbringen, und den euren Tagesablauf
    nach der Sonnenzeit gestalten könnt.
    Wir freuen uns schon auf die nächste Station im Blog Bericht.
    Liebe Grüße von den Eltern

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