Marokko: Wir sind in Afrika (Teil 1)

von Genua nach Tanger Rifgebirge

Ja, wir sind in Marokko!

Zugegeben – das war nicht gerade die Richtung, die wir im Auge hatten, als wir vor elfeinhalb Wochen vom Süden Deutschlands aus nach Kroatien gestartet sind. Der Balkan sollte es sein: auf jeden Fall Kroatien, dann Mazedonien und auch Bosnien (schon wegen der Pyramiden) und noch weiter in den Osten nach Bulgarien, vielleicht auch noch weiter. Dann kamen wir in Pakoštane an – und sind dort volle neun Wochen in Horsts Strandhaus geblieben. (Und weil man dir gar nicht genug dafür danken kann: Nochmals vielen lieben Dank, Horst!)

Mittlerweile ist natürlich auch in Kroatien der Winter eingezogen, was bedeutet: einige Tage Sonne, einige Tage Regen, einige Tage Bura (kräftiger kalter Wind aus den Bergen) – oder alles in Kombination – und nachts Temperaturen im einstelligen Bereich. Es wurde langsam etwas ungemütlich ohne Heizung, und als wir den Heizlüfter aus dem Knuffi ins Strandhaus verfrachteten, war das für uns ein deutliches Zeichen: das Zeichen, uns in noch wärmere Gefilde zu begeben, wo es tagsüber ohne Jacke und am besten auch in kurzen Ärmeln kuschlig warm ist, die Sonne meistens scheint und das Meer maximal eine Tagesfahrt entfernt ist.

Und es war das Zeichen, endlich wieder in den Knuffi zu ziehen und unser Leben im Campingbus eigentlich erst richtig zu beginnen! Den Wind wieder um mich herum pfeifen zu hören, nachts bei offenem Fenster die Meeresbrandung, morgens aus dem Seitenfenster (schön eingekuschelt unter meiner Decke) den Sonnenaufgang über dem Meer zu betrachten. Deshalb verbringen wir die letzten Tage in Pakoštane auch im Knuffi und genießen beim Aufwachen den wundervollen, unschlagbaren Blick aufs Meer.

von Genua nach Tanger Pakoštane Kroatien Knuffi Ausblick

Nach einer regnerischen Nacht: Langsam wird es hell über Pakostane

 

Südspanien oder Marokko?

Wieder im Knuffi und auf der Insel Vir machten wir uns an die konkrete Planung: Wo soll es denn nun überhaupt hingehen? Der Südosten, konkret Albanien und Griechenland inklusive Kreta, war schließlich aus dem Rennen – unter anderem wegen der für uns völlig unverständlichen Sprachen. Also auf nach Südwesten! Südspanien war mein persönlicher Favorit, doch die Fähren von Genua und Livorno steuern lediglich Barcelona und Tanger an. Von Barcelona aus ganz in den Süden, beispielsweise nach Málaga, sind es knapp 1.000 Kilometer – ein ganz schönes Stück, und ab Valencia eine Fahrt auf der Autobahn im Hinterland, wenn man nicht die schönere, aber bedeutend zeitintensivere Variante Küstenstraße wählt.

Nach einigem Hin und Her und stundenlangem Studieren von Karten und Fahrplänen im Internet entschieden wir uns schließlich für die komfortable Variante, die Fähre von Genua nach Tanger – und eine Reise nach Marokko. Wenn man schon mal in Tanger landet, wieso dann nicht zumindest für ein paar Tage bleiben und sich den Norden anschauen? Außerdem waren wir letztes Jahr schon einmal für ein halbes Jahr in Nordafrika, in Tunesien auf der Insel Djerba. Die Sitten und Gebräuche sind uns also nicht gänzlich unbekannt, dazu spreche ich Französisch und ein paar Worte Arabisch (für die Begrüßung und einige einfache Worte reicht’s). Und das Essen ist einfach nur leeecker!

von Genua nach Tanger Marokko Tajine

So etwas wie das Nationalgericht in Marokko: leckere Tajine

 

Auf der Fähre von Genua nach Tanger

Für den 11. Dezember buchten wir eine Fahrt von Genua nach Tanger Med (mit Zwischenstation in Barcelona) in einer Innenkabine – so viel Annehmlichkeit musste für die 48 Stunden Fahrzeit sein. Bis nach Genua haben Knuffi und Jochen zwar auch mehr als 900 Kilometer abgerissen, dafür wurden wir aber mit einem Schlag weit in den Süden katapultiert. Und durften unterwegs endlich wieder echten italienischen Cappuccino genießen. Es mag besseren Kaffee auf der Welt geben, ich bin keine Kennerin. Aber selbst für mich als bekennende Teetrinkerin ist der Kaffee aus Italien immer wieder ein Hochgenuss. (Lieben Gruß an dich, Francesca – ich hab in Italien an dich gedacht!)

Die Fahrt auf der Fähre verlief relativ unspektakulär. Wir hatten auf dem Mittelmeer keinen nennenswerten Seegang, die Hunde waren in ihrer Box mehr oder weniger gut verstaut, Ganschi hatte den Knuffi ganz für sich allein und wir in unserer Kabine einen Vorrat an Essbarem gebunkert. Wichtiger Tipp an alle, die sich noch nie längere Zeit auf einer Fähre aufgehalten haben: Unbedingt genug zu essen und zu trinken mitnehmen! Zum einen sind die Preise in den Restaurants gesalzen und zum anderen gibt es dort nur Kantinenessen. Wer’s arbeitstechnisch braucht: Internet kann man sogar ebenfalls nutzen, eine Prepaid-Karte mit 10 Euro Guthaben (2 Stunden Internet) gibt es auf dem Schiff zu kaufen.

Angenehm war, dass die Zollformalitäten bereits auf dem Schiff erledigt wurden – so mussten wir bei der Ankunft im Hafen nur noch ein Formular für den Knuffi ausfüllen und abstempeln lassen und damit ab durch den Zoll.

Fähre von Genua nach Tanger Barcelona Hafen

Zwischenstopp morgens in Barcelona, Blick auf den Hafen

Fähre von Genua nach Tanger Jochen Hunde

Morgendliches Pipimachen auf der Fähre (hier natürlich nur die Hunde)

 

Am Zoll: entspannte Waffensuche

Die Einreise nach Marokko ging viel geordneter, viel entspannter als die in Tunis zu, als wir 2013 nach Tunesien eingereist sind, um für ein halbes Jahr auf Djerba zu leben. Ein Bakschisch für wen auch immer war nicht nötig, das Formular auf Französisch konnte ich ohne Probleme selbst ausfüllen und das, was fehlte, das trug der Zollbeamte nach. Auch die grüne Versicherungskarte wurde ohne Murren akzeptiert. Ein kleines Problem fand er dann aber doch: In Jochens Pass sollte eine Nummer nachgezeichnet werden, weil man sie nicht eindeutig lesen könne. Während Jochen darauf wartete, dass ein Polizist diese gewichtige Aufgabe erledigte, beobachtete ich einen jungen Grenzbeamten.

Er hatte ein kleines Gerät in seiner Hand, an der Seite ragte eine ausziehbare Antenne heraus, die mich an meinen ersten Ghettobluster in den 80ern erinnerte. Damit kam er herübergeschlendert und lief langsam an der Seite vom Knuffi entlang. Es war klar: Der Mann sucht etwas. Höflich fragte ich nach: „Monsieur, was machen Sie da eigentlich?“ Er grinste nur (ein sehr nettes Grinsen) und antwortete mit einer Gegenfrage: „Haben Sie Waffen dabei?“ – „Nein.“ – „Irgendetwas für die Jagd?“ – „… Wir jagen nicht.“ – „Sprengstoff?“ – „Äääh – nein!“ Dann ein Wort, das ich nicht verstand. Er machte eine Geste mit der Hand, als sprühe er etwas aus einer Dose in die Luft, und erklärte: „Das, was man gegen Diebe dabei hat!“ Aah, er meinte so etwas wie Pfefferspray. „Nein, nichts in der Art.“ Okay, damit war meine Frage natürlich auch beantwortet!

In der Zwischenzeit waren alle Passformalitäten geregelt und wir wurden ohne weitere Kontrolle von Mensch, Tier oder Fahrzeug durchgewunken. Auf marokkanischen Boden – wer hätte das gedacht!

Weiter mit dem Bericht geht es in Teil 2.

Fähre von Genua nach Tanger Ankunft

Ankunft in Tanger Med – Blick auf die Berge Marokkos

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.