Die Reise beginnt!

Deutschland – Österreich – Slowenien – Kroatien

Sonntag, 28. September 2014:

Endlich geht es los!

Die letzten fünf Wochen haben wir damit verbracht, unseren kompletten Haushalt radikal auszumisten (was brauche ich wirklich, wofür habe ich im Knuffi Platz?) und das nicht Benötigte zu verkaufen, zu verschenken oder zu entsorgen. Den Hausverkauf in die Wege zu leiten. Klamotten in den Knuffi zu packen und wieder auszupacken, um noch einmal neu zu packen. Den Blog auf Reisen einzurichten und die ersten Beiträge zu schreiben. Den Knuffi mit einer Markise und zwei Stauraumboxen aufzuwerten. Und schließlich: zu warten. Daher können wir es noch gar nicht so recht fassen, als es an einem spätsommerlichen Sonntag Ende September tatsächlich losgeht.

Nach einem dreitägigen Zwischenstopp am Möhnesee, bei dem wir dem Knuffi eine geräumige Dachbox und uns reichlich Stauraum gegönnt haben, und einem Kurzbesuch meiner Familie im „Schwobeländle“ starten wir am späten Vormittag den Motor unseres Knuffis – und damit auch unsere Reise.

Zunächst geht es vom Großraum Stuttgart in Richtung München. Die Sonne lacht vom Himmel, der sich strahlend blau präsentiert, nur getrübt von den üblichen „Kondensstreifen“, die über den Ballungszentren natürlich besonders fleißig versprüht werden. Wir sind guter Dinge und noch besserer Laune. Davy’s on the road again! Sobald wir auf der Autobahn sind, steigt in mir ein Gefühl der Freiheit auf. Oben „auf dem Bock“ sitzen, über den meisten anderen Autofahrern schweben, ein Panoramablick nach jeder Seite, losziehen in dem Gedanken, überallhin fahren zu können: Alles scheint möglich! Wir sind unterwegs. Wir haben es wirklich getan! Uns von allem Materiellen getrennt, das für uns nur Ballast wäre, den Knuffi zum neuen Heim erkoren und uns auf den Weg gemacht. Ohne festen Plan, nur mit dem groben Ziel, durch den Balkan zu reisen und mit der kroatischen Insel Vir als erste Station auf dem Weg zu beginnen. Immer der Sonne entgegen, bis es uns im Winter kuschlig genug ist.

Reise im Campingbus Bayern

Hier ist die Welt noch in Ordnung …

Die Hunde spüren natürlich auch, dass etwas in der Luft liegt, doch nach der üblichen anfänglichen Aufregung rollen sich Freddy und Rocky am Boden zusammen und sind für die nächste Zeit entschwunden im Hundetraumhimmel – sie wissen, dass sich erst mal nichts tut. Ganschi maunzt eine Zeit lang irritiert vor sich hin und dreht im Knuffi ruhelos ihre Runden, doch schließlich fügt auch sie sich in ihr Schicksal und legt sich auf der Sitzbank schlafen. Katzen als absolute Gewohnheitstiere mögen es gar nicht, wenn sie durch den Raum bewegt werden. Ganschi ist allerdings schon einiges gewohnt: ungefähr ein Dutzend Umzüge innerhalb der gleichen Anzahl von Jahren und 2013 eine Auto- und Schiffsreise nach Djerba und fünf Monate später wieder zurück. Daher haben wir uns vor dem Aufbruch auch dazu entschlossen, sie während der Fahrt nicht in eine Box zu stecken – sie soll sich mit ihrer Umgebung vertraut machen. Diese Strategie scheint ganz gut zu funktionieren, wenn ich mir den wachsenden Entspanntheitsgrad von Ganschi so ansehe …

Reise im Campingbus Katze

Katze ganz entspannt

Obwohl es Sonntag ist und keine Ferienzeit, ist viel los auf der Autobahn, doch es geht meist flüssig und entspannt voran. Das Navi schickt uns diesmal auf eine andere Route, die rund hundert Kilometer kürzer sein soll, uns jedoch durch München führt. Als wir uns zusammen mit einer Karawane von Fahrzeugen durch eine dreispurige Baustelle zwängen, vorbei an einer Menge roter Ampeln, fragen wir uns, ob das eine schlaue Idee war – zumal gerade Oktoberfest ist. Jochen, der die ganze Strecke bis nach Kroatien alleine fahren wird und von mir hiermit den Titel „Großmeister des automobilen Fahrens“ verliehen bekommt, steuert den Knuffi unbeschadet durch den Verkehr und meistert auch diverse Spurwechsel bravourös. An dieser Stelle geht ein ganz besonderer Gruß an das ältere Ehepaar im silbernen SUV, die uns kurz vor München bei einem Spurwechsel mittels eindringlichen Huptons freundlicherweise darauf aufmerksam gemacht haben, dass man einem BMW dieser Größenordnung stets den Vortritt zu lassen hat. Man lernt eben nie aus …

Egal, bald schon werden wir diese Sorte angespannter Menschen hinter uns gelassen haben. Nach dem Parcours durch München cruisen wir weiter Richtung österreichische Grenze, vorbei an idyllischen bayerischen Landschaften, und bald schon sind die ersten Vorläufer der Alpen zu sehen: Da müssen wir drüber – oder vielmehr: durch! Wir fahren über die Grenze. Der erste Schritt ist getan; wir haben Deutschland verlassen. So richtig realisiert haben wir aber beide noch nicht, dass wir jetzt unterwegs sind und uns aus dem System BRD (weitgehend) ausgeklinkt haben. Zu sehr nimmt uns die Fahrt in Beschlag, zu anstrengend war die Vorbereitungs- und Wartezeit und zu schnell nehmen die Dinge nun ihren Lauf. Von hundert auf null zurückschalten – das geht nun mal nicht von einer Sekunde auf die andere.

Reise im Campingbus Österreich

Geschafft! Auf österreichischem Boden

In Österreich erklimmt Knuffi gemächlich Höhenzug um Höhenzug. Seine 72 PS aus dem 1,9-Liter-Nähmaschinenmotörchen müssen fast zweieinhalb Tonnen Hausstand und Lebendgewicht wuchten – und er macht seine Arbeit hervorragend! Mit dieser Leistung schießt man natürlich nicht raketenmäßig über Berg und Tal, rollt aber extrem entspannt durchs Terrain. (Wer die Reize eines solchen Reiseambientes nicht nachvollziehen kann, dem sei an dieser Stelle der Roman „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny ans Herz gelegt.) Später beim ersten und einzigen Tankstopp in Kroatien freuen wir uns außerdem über einen sensationell niedrigen Verbrauch von rund acht Litern. Das Adjektiv „sparsam“ können wir unserem Knuffi getrost zugestehen, vor allem in Anbetracht der anspruchsvollen Strecke, die er zu diesem Zeitpunkt zurückgelegt hat. Er muss der Alptraum eines jeden Autolobbyisten sein: geringer Spritverbrauch, günstige Versicherung als Wohnmobil, kein Einsatz von Energie für die Herstellung eines neuen Wagens und dank fehlender Elektronik ein Fahrzeug, an dem man selbst schrauben kann.

Unser „Bolide“ macht Kilometer, durchquert den Tauerntunnel und noch einige kurze und lange Brüder desselben, bis er kurz vor der slowenischen Grenze vor dem Karawankentunnel ausgebremst wird: Dort ist nur eine Spur geöffnet, das Schild über dem Eingang des Tunnels zeigt eine Wartezeit von rund vierzig Minuten an. Die nutzen Freddy und Rocky, um sich am Autobahnrand zu erleichtern, und wir, um den Gaskocher anzuwerfen und lecker Kaffee / Tee zu kochen. In solchen Momenten schließe ich unseren Knuffi noch mehr in mein Herz. Habe ich schon erwähnt, dass er einfach nur genial ist? Kochen, heizen, kühlen, schlafen – alles kein Problem. Und wenn man keine Lust mehr hat oder zu müde ist für die Weiterreise, macht man die Schotten dicht und legt sich schlafen. Wir nippen an unserem Heißgetränk und beobachten die Slowenen vor uns, die ausgestiegen sind und sich die Beine vertreten: Ja, wir sind fast im Land der Jogginghosen angekommen! Herrlich, in Slowenien oder Kroatien ist es völlig normal, tagsüber in Trainingshosen durch die Gegend zu laufen.

Reise im Campingbus Karawankentunnel

kurzer Stopp am Karawankentunnel

Letztendlich ist es aber nur eine Viertelstunde, die wir auf die Durchfahrt warten müssen. Die Überquerung der Grenze ist recht unspektakulär, um nicht zu sagen: Sie wird von uns gar nicht bemerkt. Auf der anderen Seite des Karawankentunnels werden wir schon in Slowenien willkommen geheißen. Die Landschaft unterscheidet sich erst einmal nicht besonders von der Österreichs, und doch merkt man, dass man auf dem Balkan ist: Alles ist etwas weniger schick, dafür aber ursprünglicher, herber und mindestens genauso idyllisch. Es wird langsam dunkel, und das letzte Stück durch Slowenien muss der Knuffi noch einmal Bergziege spielen. Hinter Maribor endet die Autobahn und das Navi führt uns im Dunkeln über Serpentinen durch das slowenische Hinterland, durch kleine Orte und Novo Mesto hindurch zur kroatischen Grenze.

Hier erwartet uns die erste und einzige Passkontrolle. Kroatien gehört zwar schon zur EU, trotzdem wird hier noch kontrolliert. Wir fahren an zwei Grenzhäuschen heran; in dem ersten sitzt ein Mann, in dem zweiten dahinter eine junge Frau. Der Slowene bedeutet uns, direkt zu dem kroatischen Grenzhäuschen vorzufahren. Dort wird Jochen von der Zollbeamtin auf Kroatisch gefragt, ob er denn schon bei ihrem slowenischen Kollegen gewesen sei, was er dank seiner Russischkenntnisse auch versteht. Er erklärt (auf Russisch), dass dieser ihn zu ihr geschickt habe, was mit einem Grinsen quittiert wird. Ein kurzer Blick in unsere Pässe – die Tiere werden meist nicht bemerkt, da sie auf dem Boden oder der Sitzbank liegen –, dann kann es weitergehen. Als Jochen den Motor anlässt, grinst die junge Frau breit. Es ist ein sympathisches Grinsen: Ihr habt ja ein schnuckeliges Teil! Vielleicht hat sich die Kroatin aber auch nur über die russisch-kroatische Unterhaltung amüsiert?

War der Verkehr in Slowenien schon sehr spärlich, so ist er auf der kroatischen Autobahn als nahezu nicht existent zu bezeichnen. Unser persönlicher Autofahrhimmel fängt hinter der österreichischen Grenze an: Das Tempolimit verhindert Rennsportambitionen (außer, eine dicke Brieftasche erlaubt sie) und sorgt für entspanntes Cruisen, ohne auf waghalsige Überholmanöver und heranschießende Lichthupen achten zu müssen. Die Maut tut ihr Übriges. Nicht jeder hat Lust, für das komfortable Fahren und den Erhalt einer Infrastruktur, die er gar nicht nutzen möchte, zu zahlen – oder auch das nötige Kleingeld. Daher begegnen uns in Kroatien nur sporadisch Fahrzeuge auf der Gegenseite, und überholt werden wir ebenfalls äußerst selten. Hier stellt sich eher Ermüdung als Stress ein, was aber auch nicht verwundert nach zehn Stunden Autofahrt. Wir stellen uns im Velebit-Gebirge auf einen der wirklich schönen kroatischen Rastplätze, bauen das Bett und schlafen wie die Steine.

Im nächsten Beitrag könnt ihr nachlesen und euch ansehen, wie wir in Kroatien und auf der Insel Vir angekommen sind.

2 Gedanken zu “Die Reise beginnt!

  1. Hallo Ihr beiden, schade daß Ihr schon weiter seit, aber schön daß es Euch allen, inklusive Knuffi, gut geht! Möge es so odr besser weiter gehen!

    • Hallo Hermann,
      danke für deinen Kommentar und die lieben Wünsche!
      Nach unserer langen Wartezeit und dem Verkehr in München wollten wir einfach nur schnell weiter, aber wir sehen uns bestimmt.
      Frieden und Erleuchtung!

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