Reisen in Marokko: Es geht wieder los!

Hallo, mein treuer Leser des Blogs auf Reisen! (Und natürlich auch ein herzliches Willkommen an jeden neuen Leser, der oder die hier zum ersten Mal hineinschnuppert.) Du musstest lange warten auf Neuigkeiten aus dem Knuffi, aber jetzt ist es so weit: Wir sind bereit für neue Orte und Begegnungen, neugierig auf große und kleine Abenteuer bei unseren Reisen in Marokko – und das Leben ganz allgemein.

Erst muss ich dich aber auf den neuesten Stand bringen, denn in den letzten Monaten hat sich so einiges ereignet, was das Leben im Campingbus ganz schön verändert hat. Ich möchte mit zwei Abschieden beginnen, der eine ein sehr trauriger, der andere ein teils trauriger, teils hocherfreulicher.

Im Mai sind wir vom Ferienhügel in Ouzoud aufgebrochen, um uns auf den Rückweg nach Deutschland zu machen. Dort wollten wir von Ende Mai bis Ende August bleiben, um meine Familie zu besuchen und unsere Finanzen aufzustocken (tja, ohne Geld geht es nun mal nicht – zumindest noch nicht!). Also machten wir uns auf in Richtung Tanger, wo wir mit der Fähre wieder nach Genua übersetzen wollten, um über Kroatien (ihr wisst schon, Vir und Pakoštane …) nach Deutschland zu fahren. Der erste Zwischenstopp führte uns also dorthin zurück, wo wir im Dezember letzten Jahres in Marokko angekommen waren: nach Tanger, in die große Hafenstadt Marokkos am Gibraltar. Dort verbrachten wir auf dem Camping „Achakar“, etwas außerhalb der Stadt auf einem Hügel gelegen, oberhalb eines tollen Sandstrands, ein paar wirklich schöne und harmonische Tage.

Reisen in Marokko - Knuffi 1

Die letzte Station: Camping „Achakar“ in Tanger

Reisen in Marokko - Camping Tanger

Freddy, unser treuer Gefährte auf unseren Reisen in Marokko (und auch sonst), und seit beinahe 16 Jahren der ständige Begleiter an Jochens Seite, ließ schon seit Monaten erkennen, dass er zu einem wirklich alten Mann geworden war – was ihm in Kroatien den durchaus liebevollen Beinamen „Geriatrix“ eingebracht hatte. Ohne Führung an seiner Seite konnte er sich nicht mehr orientieren, da er fast komplett blind und taub geworden war. Mehr als nur einige Male lief er zügig und zielstrebig in die falsche Richtung davon, weg von uns, immer mit der Gefahr, auf eine belebte Straße und vor ein Fahrzeug zu laufen. Die altersschwachen, zittrigen Beine wollten auch nicht mehr so recht, sodass er irgendwann Schwierigkeiten hatte, den Eingang zum Knuffi hinaufzuspringen. Sogar die früher heißgeliebten Spaziergänge machten so keinen rechten Spaß mehr, mehr als ein Mal musste man ihn animieren, überhaupt noch aufzustehen.

Jeder, der einen solchen Gefährten in seinem Leben hat, weiß genau, dass ihm oder ihr irgendwann möglicherweise eine der schwersten Entscheidungen überhaupt bevorsteht: Wie lange will ich einem geliebten Lebewesen zumuten, mit Schmerzen oder anderen großen Beeinträchtigungen zu leben? Einem Lebewesen, das ohne meine Hilfe schon längst nicht mehr lebensfähig wäre? Das früher so voller Energie und Tatendrang durch die Welt gerannt, gesprungen, getollt ist, übermütig, neugierig, fröhlich, und jetzt eigentlich nur noch auf sein Ende zu warten scheint – und vielleicht auf den Beginn eines neuen Abenteuers? Ein Lebewesen, das früher stark und oft auch ausgesprochen eigensinnig war, aber niemals bösartig, immer liebenswert und vor allem loyal, wie man es sich von einem Menschen kaum erhoffen kann?

Und vor genau dieser Entscheidung standen wir in Tanger auf diesem wunderschön gelegenen, idyllischen Campingplatz über dem Meer. Ich hatte nicht den Mut auszusprechen, was wir beide schon seit geraumer Zeit (zumindest in einem hinteren Winkel unseres Verstands) dachten, bis Jochen es schließlich tat: Es wird Zeit für unseren alten Kameraden. Wir möchten nicht mit ansehen, wie er sich immer mehr abmüht und immer hilfloser wird. Allein der Gedanke, ihn nicht mehr bei uns zu haben, machte uns unsagbar traurig – aber noch trauriger machte es uns, ihn so hilflos zu sehen. Und so entschieden wir uns sehr, sehr schweren Herzens, ihn gehen zu lassen – und ihm dabei zu helfen. Diesen letzten gemeinsamen Akt wollten wir auf keinen Fall in fremde Hände legen, und so waren wir bis zum Schluss bei und mit ihm. Als Freddy unsere Welt dann schließlich verlassen hatte, lag sein Körper ganz friedlich da.

Der Gärtner des Campingplatzes hatte uns schon eine Weile beobachtet und verstanden, was vor sich ging. Er kam zu uns hinüber uns bot uns an, eine Mulde auszuheben, wenn es denn so weit sein sollte, und Freddy zusammen mit uns zu begraben. Wir waren gerührt über diese Geste und nahmen das Angebot an. Und so kam es dann auch: Zu dritt, mit Rocky an unserer Seite, begaben wir uns in ein Wäldchen etwas abseits des Campings, das sich der Gärtner bereits ausgeguckt hatte. Dort verabschiedeten wir uns endgültig von unserem Freund – wenigstens von seinem Körper. Der liegt nun unterhalb eines großen Baums, in Hörweite des Meers, in dem Freddy immer so gern und ausdauernd gebadet hat. Und in welchen Meeren ist er nicht schon alles geschwommen: in der Nord- und Ostsee, im französischen Teil des Atlantiks, in der Adria und schließlich im Mittelmeer an der Nordküste Marokkos. Freddy war immer bei uns, und das ist er immer noch. Wenn wir uns auf ihn konzentrieren, spüren wir seine Anwesenheit, und er sagt zu uns in Gedanken: Es ist gut, wie es ist, ihr habt mich geliebt und ich wache jetzt über euch. Seid nicht traurig, ich bin doch trotzdem bei euch.

Reisen in Marokko - Freddy

Wir vermissen ihn und sind dankbar, dass wir ihn so lange bei uns haben durften. Und erinnern uns an ihn als jungen Springinsfeld, der er war, immer für einen Schabernack zu haben und unermüdlich beim Spielen, Jagen, Fröhlichsein.

Wir mussten uns in Tanger also gleich zweimal verabschieden, einmal von Freddy, einmal vom Reisen in Marokko – beides war nicht leicht. Doch wir wussten (inschallah), dass wir wiederkommen würden, zu beiden. Das tröstete uns, genau wie die Sonne und die Liebenswürdigkeit der Menschen.

Die Rückfahrt gestaltete sich dann nicht ganz so einfach, wie wir uns das erhofft hatten: Wir verpassten unsere Fähre nach Genua und mussten notgedrungen zu Plan B wechseln. Eigentlich hatten wir gar keinen Plan B, doch der bestand schließlich darin, nur bis nach Algeciras in Südspanien überzusetzen und von dort aus die komplette Strecke bis in den Süden Deutschlands zu fahren. Um das Ganze etwas abzukürzen: Es war ein Höllenritt, vor allem die Fahrt durch die Sierra Nevada, wo uns im Knuffi Temperaturen um die 40 Grad zu schaffen machten. Kurz vor Granada machte der Knuffi dann auch noch schlapp und wollte partout nicht mehr weiterfahren. Nach einem Blick auf die Innereien kam Jochen zur Diagnose: nicht genug Lebenssaft, sprich Diesel, in seinen metallenen Eingeweiden. Bei einer Not-OP an einer Tankstelle, wo leider nur Spanisch verstanden wurde, versuchte Jochen, den verstopften Dieselfilter zu reinigen, was uns aber auch nur ein paar Kilometer weiterbrachte, bis endgültig Feierabend war.

Zum Glück gibt’s ja die „gelben Engel“ – und nette spanische Abschleppwagenfahrer, die Interessantes von der Gegend rund um Granada zu berichten wissen (auch wenn man höchstens die Hälfte versteht). Über Zwischenstopps in Granada („Maria Eugenia“, netter Camping kurz vor der Stadt, auf dem wir eben mal per Hand den Knuffi vermessen haben), in Barcelona („3 Estrellas“, nicht so netter und vor allem unverschämt teurer Camping am Meer, Fluglärm inklusive), auf einem französischen Rastplatz (NEIN, die Übernachtung auf einem solchen ist NICHT empfehlenswert, obwohl uns nichts passiert ist) und auf einem französischen Stellplatz (sehr nett und idyllisch, leider kann ich mich nicht mehr an den Namen der Ortschaft erinnern) kamen wir schließlich in der Heimat an.

Jochen hatte schon in Marokko eine zeitlich befristete Stelle an der Nordsee angenommen, wo wir den Sommer über bleiben wollten. Und auch schon auf unseren Reisen in Marokko hatten wir uns entschieden, uns vom Knuffi zu trennen – der zweite Abschied. So mancher wird jetzt überrascht oder vielleicht auch bestürzt ausrufen: Wie, was?! Euer geliebter Knuffi? Wieso das denn? Eigentlich aus einem sehr erfreulichen Grund: Unser Leben im Knuffi über rund 5 Monate (die Zeit im Strandhaus in Pakoštane nicht mit eingerechnet) hat uns gezeigt, dass wir mehr davon wollen! Dass wir uns momentan gar nicht vorstellen können, in vier Wänden zu leben, die sich nicht fortbewegen lassen, in denen man von Wind und Wetter kaum etwas mitbekommt und die größer sind als 10 Quadratmeter. Es hat uns aber auch gezeigt, dass es doch gewisse Dinge gibt, die wir inzwischen als Luxus betrachten, auf Dauer aber nicht missen möchten: ein Festbett, das nicht jeden Abend auf- und jeden Morgen abgebaut werden muss. Ein kleines Wohnzimmer, das nur zum Lümmeln gedacht ist und nicht auch zum Schlafen. Und zwei Wassertanks, um auch mal ohne fließendes Wasser auskommen zu können. Außerdem war klar, dass wir so autonom wie möglich sein wollten, auch ohne „Nabelschnur“ zu einem Stromkasten.

Zunächst legten wir uns allerdings einen Wohnwagen und einen alten Benz als Zugmaschine zu, da wir an der Nordsee ohnehin 3 Monate stehen würden und einen Pkw für kleinere Fahrten wie beispielsweise zum Einkaufen gut würden gebrauchen können. Vom Knuffi, den wir in Marokko hatten aufwerten lassen (Solarzelle, neuer Himmel, neue Sitzbezüge, neuer Lack – Fotos folgen!), haben wir uns nach einer langen Fahrt hoch zur Nordsee direkt vor dem „Nordsee Camp Norddeich“ verabschiedet – und ihn in gute Hände übergeben. Der Abschied fiel erstaunlich leicht, vielleicht weil wir wussten, dass uns ein neues, mindestens genauso schönes Kapitel in Knuffis Nachfolger erwarten würde.

Das Leben im hohen Norden war zunächst sehr gewöhnungsbedürftig: Dass die Leute grüßen, war nicht mehr selbstverständlich, das Klima rauh und nass und stürmisch, die Sonne ließ sich (im Hochsommer!) eher selten blicken, das Gemüse und das Obst kamen an das in Kroatien oder Marokko nicht annähernd heran – und alles war plötzlich so teuer …! Kurzum: Es war ein kleiner Kulturschock in die andere Richtung. Aber auch hier haben uns ganz tolle Menschen begleitet. An dieser Stelle liebe Grüße an meine Lieben zu Hause, an Miss S-Ta – ja, ich häkel noch! – und Erik, an Christiane, an Petra, an Andreas und Sabine. Wir denken an euch und freuen uns auf das nächste Wiedersehen!

Reisen in Marokko - noch in Deutschland

Im Wohni an der Nordsee

Nach 3 Monaten Alltags- und Arbeitsroutine gab’s dann ein kleines Schmankerl, bevor es an eine Verlängerung bis Ende November gehen sollte: Wir konnten endlich (!) meine Eltern, meinen Bruder und seine Familie auf Vir wiedersehen und auch Pakoštane einen Besuch abstatten, um bei Horst und Familie Frenzel nach dem Rechten zu sehen. Währenddessen ließ uns aber eins keine Ruhe: So komfortabel und gemütlich ein Wohnwagen auch ist, mit einem Campingbus oder Wohnmobil ist er einfach nicht zu vergleichen. Immer erst ankuppeln, bevor man losfährt, umständliches Abstellen und Wegziehen, ein zweites Teil, das da hinter einem dranhängt und mit dem man versehentlich Mülltonnen an Tankstellen ummäht, keine autonome Stromversorgung ohne aufwändige Umbauten … Das war einfach nicht das Wahre. Wir wollten in ein mobiles Heim zurück!

Da wir nicht lange fackeln, wenn wir uns einmal entschieden haben, musste so ein gutes Stück sofort her – auch wenn man dafür eben mal von Norddalmatien bis nach Deutschland, dort quer durch und dann wieder zurück fahren muss … Habe ich schon erwähnt, dass wir ein bisschen verrückt sind? Aber das Schicksal wollte es wohl so, denn nach der ersten Besichtigung eines Womos (das laut Beschreibung „topgepflegt und technisch einwandfrei“ sein sollte, wir aber nicht mal geschenkt haben wollten) trafen wir mitten in der Vulkaneifel, fast schon ohne Hoffnung, auf ihn: Knuffi 2! Ein Wohnmobil auf einem Peugeot-Fahrzeug mit einem französischen Pilote-Aufbau. Wir waren sofort verliebt, die Substanz war gut, der Preis stimmte, der Verkäufer war sympathisch – was gab es da noch zu überlegen? Innerhalb weniger als einer Stunde war unser neues Heim besichtigt, Probe gefahren, der Vertrag zwischen Tür und Angel unterzeichnet und das Geld übergeben. Knuffi 2 war unser und die erste Nacht im Alkoven zwar sehr, sehr kalt, aber dennoch schön.

Und nun, nach weiteren zwei Monaten im kalten Norden, die uns in jeder Hinsicht noch ein Stück mehr Autonomie beschert haben, ist es morgen endgültig so weit: Wir starten wieder los in Richtung Süden, und diesmal geht es direkt nach Marokko, in das Land, wo vielleicht nicht Milch und Honig fließen, aber so viel mehr Leichtigkeit und Freundlichkeit herrscht, die Sonne scheint und wir uns willkommen fühlen. Ab in ein Leben im Wohnmobil, ab nach Tanger zum Camping „Achakar“, ab nach Taghazout auf den Felsen, wo die Menschen lächeln und die Meeresbrandung uns in den Schlaf wiegt.

Ich kann es kaum erwarten, das Leben auf Reisen in Marokko …!

3 Gedanken zu “Reisen in Marokko: Es geht wieder los!

  1. Ach ihr Lieben!
    Was freue ich mich, dass ich euch wieder literarisch folgen darf. Ich habe mich unglaublich gefreut euch im Sommer zu treffen und mit euch Zeit verbringen zu dürfen.
    Ich hoffe, dass eure Reise euch auch weiterhin viel Sonnenschein und unglaubliche Abenteuer bereitet.
    Von Eric und den Kindern sende ich euch liebe Grüße und freue mich darauf euch bald wiederzusehen und umarmen zu können.

  2. Moin Claudia,
    liebe Grüße aus dem schönen Norden. Weihnachten haben wir gemütlich alleine verbracht und nun naht das Ende des Jahres und ich wollte Dir und deinem Mann nebst Rocky liebe Gedanken schicken und ich freue mich von euch etwas zu hören. Passt auf euch auf und von hier aus einen guten Rutsch in das neue Jahr. Auf ein Wiedersehen in Norddeich
    Gruß Petra Dirk und Simba

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.