Überwintern in Marokko – wir sind wieder da

Überwintern in Marokko

Dieses Bild hatte ich die letzten beiden Monate, die wir an der Nordsee verbracht haben, immer wieder vor Augen: Ein Stück vor Taghazout an der Atlantikküste Marokkos oben auf „unserem“ Felsen sitzen. Überwintern in Marokko, auf das Meer heruntergucken, das ständig in Bewegung ist, die warme Wintersonne Marokkos auf der Haut und im Gesicht, das Rauschen der Brandung auch nachts in den Ohren, der fantastische Sternenhimmel, der weite Blick in alle Richtungen …

So langsam – nach drei Tagen hier bei Taghazout und zwei Wochen insgesamt in Marokko – realisiere ich, dass wir tatsächlich wieder da sind. Schon die Begrüßung auf dem Camping „Terre d’Océan“, auf dem wir schon letztes Jahr in Marokko überwintern durften, war umwerfend. Die Patronne des Campings, Emmanuelle, und Ahmed, der Ladenbesitzer, haben uns so warmherzig empfangen, als wären wir alte Bekannte, die sie unglaublich vermisst haben. Und auf der weiter unten gelegenen Felsterrasse, bei den „Wilden“, fernab vom französischen Geplapper und deutschen Austausch von Neuigkeiten wie Wetter und Stuhlgang und so nah am Meer wie möglich, trifft man auf Gleichgesinnte und hat jeder sein Stück Freiheit.

Sitzen wir in unserem „Vorgarten“, präsentiert sich folgende Aussicht:

Überwintern in Marokko

Meer, wohin man sieht:

Überwintern in Marokko

Zu unserer Rechten der Verlauf der Küste und der Küstenstraße, mit Blick auf den nächsten Surferstrand und ein kleines Restaurant / Café direkt am Strand:

Überwintern in Marokko

Überwintern in Marokko – ein Traum!

Wie es sich angefühlt hat, wieder in Marokko zu sein? Einfach nur toll. Kaum hat man den Zoll hinter sich gelassen und rollt auf marokkanischen Boden, fängt man an, wieder das „marokkanische Gefühl“ zu spüren, das sich leicht anfühlt, unkompliziert, sonnig. Die Marokkaner winken, lächeln, grüßen, sind neugierig und hilfsbereit. Alles ist irgendwie einfacher als in Europa – bis auf Behördengänge, die wohl auf der ganzen Welt nervig sind.

Du möchtest dir morgens auf dem Camping einen Tee im Café holen, aber im Knuffi trinken? Er wird dir bis ans Womo gebracht und dort serviert. Du brauchst eine neue Autobatterie, weil die alte den Geist aufgegeben hat? Es findet sich mit Sicherheit jemand, der dich für wenig Geld oder vielleicht auch umsonst in den nächsten Ort fährt und dort jemanden auftreibt, der Batterien verkauft. Wendest du dich freundlich an jemanden mit einem Hilfegesuch, kannst du eigentlich sicher sein, das derjenige sich bemühen wird, dein Problem zu lösen – das sind zumindest meine Erfahrungen bisher. Eine kleine Geschichte dazu: Als ich unseren Internetstick in Tanger nicht aufladen konnte, bin ich samt Notebook und Stick in den nächsten Hanut (kleiner Laden) um die Ecke. Der Verkäufer hatte nicht wirklich Ahnung, was zu tun war, doch verschiedene Kunden und Freunde haben mir so lange geholfen, bis der Stick mit einer neuen Karte wieder lief. Wäre so etwas in Deutschland vorstellbar …? Eher nicht.

Das sind nur einige Beispiele dafür, dass im täglichen Leben alles sehr unkompliziert abgewickelt wird. Dafür braucht es aber ein Netzwerk, etwas, das wir in Europa so schon lange nicht mehr kennen (und wenn, dann meist nur beruflich oder virtuell). Wir können uns inzwischen so gut wie alles über das Internet besorgen, uns dort vernetzen und austauschen, und müssen noch nicht mal vor die Tür gehen dafür – mit allen Vor- und Nachteilen. Ich genieße jedenfalls das marokkannische Lebensgefühl, ganz zu schweigen von der Wärme und dem Licht. Und die ersten Tajines sind auch schon verputzt. Ganz langsam habe ich mich heruntergefahren, und jetzt nach zwei Wochen kann ich sagen: Ich bin wieder entspannt genug, um morgens aufzuwachen und zu sehen, was der Tag so bringt – ohne Verpflichtungen, Termine oder selbst auferlegte Aufgaben. Und das ist herrlich.

2 Gedanken zu “Überwintern in Marokko – wir sind wieder da

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