Unsere erste Tajine

Unser erster Versuch, eine Tajine zuzubereiten, und eine Markise, die sich selbständig macht

Kulinarisch hat Marokko einiges zu bieten – was für uns mit ein Grund war, dieses Land als unser Überwinterungsdomizil auszusuchen. Die Gerichte sind einfach, gut gewürzt, aber nicht annähernd so scharf wie in Tunesien und gemüselastig. Eine sehr bekömmliche und preiswerte Küche, obendrein relativ leicht und mit wenig Aufwand zuzubereiten. Also perfekt fürs Kochen im Campingbus oder Wohnmobil …!

Der Höhepunkt war bis jetzt das Couscous mit Rind und Huhn letzten Sonntag, das wohl für drei Personen gedacht war und locker für vier gereicht hätte. (Wir haben zwei Tage davon gegessen, und die Hunde haben sich noch über Reste gefreut!) Couscous wird in der Regel nur freitags (am muslimischen Feiertag) oder zu speziellen Anlässen wie Feiern und bei der Bewirtung von besonderen Gästen zubereitet – und ist auch nicht ganz so unaufwändig.

Kochen im Campingbus Couscous

Süß-pikantes Couscous mit Rosinen und Zimt

Was sich auf jeder Speisekarte findet, ist die sogenannte Tajine, eine Mischung aus Gemüse und Fisch oder Fleisch, die im Tontopf eine Stunde lang geschmort wird. Bereitet man eine Tajine auf Berberart zu, steht der Topf über einem kleinen Kohlebecken. Über ein kleines Loch in der „Haube“ des Topfs entweicht der Wasserdampf und auf der Oberseite befindet sich ein Griff mit einer Ausrundung, auf die beim Garen öfter eine Tomate oder eine Zitrone gelegt wird – warum, hat sich uns bisher noch nicht erschlossen.

Letzte Woche haben wir uns spontan entschlossen, ein „Tajine-Kochset“ zu erstehen: Kohlebecken, Topf, Kohle. Jetzt müssen wir auch eine Tajine kochen – um uns nicht als Opfer des Konsums zu entlarven. Die Zutaten haben wir schon beisammen: ein Pfund Tajine-Fleisch vom Rind (schöne Stücke mit etwas Knochen und Fetträndern), Zwiebeln, Tomaten, Karotten, Zucchini, grüne Bohnen und Kartoffeln. Der Gemüsehändler hat mir auch gleich die Instruktionen mitgegeben, wie das Ganze im Topf geschichtet wird.

Tajine

Glasierter Tajine-Topf mit Kohlebecken, für die Zubereitung auf Berberart

Der Boden wird zunächst etwas eingeölt (vor allem bei unglasierten Töpfen) und darauf werden reichlich Zwiebeln ausgebreitet, mit den Gewürzen und etwas Petersilie vermengt. Bei Fleisch sollen als Gewürze gemahlene Paprika, Salz und nach Wunsch etwas Kurkuma (vorsichtig dosieren) reichen, bei Fisch oder Meeresfrüchten zusätzlich Cumin (Kreuzkümmel) und Zitronensaft verwenden, Huhn kann ebenfalls Zitrone vertragen. Darauf wird das Fleisch (oder der Fisch) platziert, damit es die meiste Hitze abbekommt, und über das Fleisch das Gemüse verteilt, längs in Viertel oder Achtel geschnitten. Am Rand werden die Kartoffelschnitten rundherum verteilt und schließlich ganz oben auf dem „Fleisch-Gemüse-Berg“ die Tomaten, nochmals etwas Zwiebeln und reichlich frisch gehackte Petersilie aufgesetzt.

In der Theorie klingt das alles recht einfach – mal sehen, was sich im Praxistest zeigt!

Wie wir schnell merken, liegt die Kunst unter anderem darin, die richtige Menge Zutaten zu wählen und das Ganze geschickt zu schichten und zu stapeln – beides gelingt uns noch nicht ganz. Unser „Tajine-Kegel“ ist etwas zu breit und zu hoch geraten, und da wir zu viel Flüssigkeit in den Topf gefüllt haben, kocht am Anfang einiges über. Wir haben dann doch lieber die komfortablere Variante Gasherd gewählt und aufgrund der zeitweiligen Böen gegen Abend auf das Anzünden der Kohle verzichtet.

Kochen im Campingbus Tajine

Da köchelt sie vor sich hin, die Tajine, im Campingbus

Apropos Windböen: Wir sitzen gemütlich im Knuffi und beobachten die Tajine, die auf dem Herd vor sich hinköchelt. Immer mal wieder kommt ein etwas stärkerer Windstoß, der unsere Markise wie ein Segel von unten aufbläht. Jochen sagt: „Heute Abend sollten wir die Markise aber wirklich mal abbauen.“ Ich sage: „Ja, das wäre wohl besser.“ Mit diesem festen Vorsatz bleiben wir erst mal noch ein paar Minuten sitzen und sehen der Tajine weiter beim Kochen zu. Auf einmal sehe ich aus den Augenwinkeln, wie etwas Braun-Beiges im wahrsten Sinne des Wortes am Fenster vorbeisegelt, und kurz darauf ist auch schon ein eindrucksvolles Klong-Klong über uns zu hören (als die Beine der Markise auf der Dachbox aufschlagen). Dann schwebt die Markise samt Gestell noch einmal am Fenster vorbei, um mit einem weiteren mächtigen Klong auf dem Boden aufzuschlagen – und Stille.

Wir sehen uns an: Tja, da hätten wir wohl doch nicht so lange warten sollen! Jetzt ist es endlich passiert, die Markise ist zum Segel mutiert. Die Tür an der Seite ist versperrt, also öffne ich vorsichtig die Beifahrertür und sondiere die Lage. Unser französischer Nachbar (bei dessen Anblick ich immer grinsen muss und der sehr sympathisch ist) guckt mich besorgt an: „Ça va?“ Ich antworte: „Ça va!“ Alles gut. Bei der Inspektion sehen wir schnell, dass zum Glück nichts kaputt gegangen ist, also alles halb so wild. Die Halterung auf dem Dach hat nachgegeben, statt abzubrechen. Der Franzose und unser Schweizer Nachbar von der anderen Seite (auch französischsprachig) kommen schneller herbeigeeilt, als wir gucken können, und auf einmal wollen zahlreiche Hände anpacken. Mit Hilfe des Schweizers rollen wir den Stoff wieder ein und verschieben die Montage der Markise auf den nächsten Tag. Die Sonne geht sowieso bald unter …!

Kochen im Campingbus Tajine

Unsere Markise nach dem Höhenflug

Nach diesem leichten Schrecken geht es wieder zurück zur Tajine. So kriegt man die Zeit bis zum Garen der Zutaten auch herum – mit einer fliegenden Markise. Allerdings ist eine solche Vorgehensweise nicht zur Nachahmung empfohlen. Wir lüften den kegelförmigen Deckel und bringen einen heiß dampfenden und verheißungsvoll riechenden Berg zum Vorschein. Der anschließende Essenstest ist mehr als zufriedenstellend: Die Tajine ist wirklich lecker geworden, vor allem für den ersten Versuch! Beim nächsten Mal weniger Öl, weniger Wasser und weniger Zutaten verwenden und dafür noch etwas mehr würzen – dann wird’s bestimmt noch leckerer.

Kochen im Campingbus Tajine

Sieht doch lecker aus, unsere erste Tajine!

7 Gedanken zu “Unsere erste Tajine

  1. Hallo Claudi und Jochen,
    wir wünschen Euch einen guten Rutsch ins Neue Jahr 2015.
    Viel Spaß weiterhin bei Eurer Afrika-Tour!!!
    Liebe Grüße
    Die Koldzic’s
    P.S. Extra Grüsse an die Hunde Rocky und Freddy von Denis.

    • Ein wirklich schöner Bericht! Kann mich noch gut an meine erste Tajine vor ein paar Jahren erinnern. Ein Traum, das saftige Fleisch und das würzige Aroma 🙂

      Wegen den Rissen kann man auch schon vorsorglich einen Ring aus Metall um den Tajineboden machen (oder in Marokko drum machen lassen).

      Ich wünsche euch weiterhin eine gute Reise mit vielen neuen Eindrücken und leckeren Speisen!

      Viele Grüße und Bslema,
      Nadine

    • Hallo Jule,
      ja, es war/ist auch richtig lecker, und inzwischen haben wir schon einige Erfahrung darin! Das Tolle ist, dass so eine Tajine einfach zuzubereiten ist und du nach Herzenslust alles Mögliche zusammenwerfen und experimentieren kannst.
      Probier’s doch mal selbst! 🙂
      Liebe Grüße,
      Claudia

      • Hallo Claudia, kommt bestimmt auch gut an wenn man ein paar Freunde eingeladen hat. Muss mal schauen wo ich mir so ein Set besorgen kann.
        Lieben Gruss, Jule

  2. Hallo zusammen,

    meine Frau und ich haben uns ebenfalls vor kurzem eine Tajine zugelegt, da uns das Essen in Marrokko so gut geschmeckt hat.

    Euer Essen sieht ebenfalls richtig lecker aus. Ich hoffe eure Tajine leistet auch heute noch gute Dienste 😉

    Gruß
    Christian

    • Hallo Christian,

      wie schön, eine gute Investition! 😉

      Inzwischen sind wir schon sehr erprobt im Tajine-Kochen, allerdings mussten wir uns diesen Winter, als wir wieder in Marokko waren, ein neues Exemplar zulegen – das erste hatte nach täglichem Gebrauch über Monate Risse bekommen. 🙂 Das ist aber nicht wirklich wild angesichts des niedrigen Anschaffungspreises vor Ort, nur etwas blöd, wenn’s in Deutschland passiert.

      Ich wünsche euch viele leckere Tajines und noch viele schöne Marokko-Aufenthalte!

      Liebe Grüße,
      Claudia

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