Reif für die Insel: Vir, eine Oase der Ruhe

Wer die Landkarte Kroatiens zum ersten Mal in Augenschein nimmt, der staunt nicht schlecht: Das Land scheint ja nur aus Küste zu bestehen! Nahezu die gesamte Ostküste der Adria gehört zu Kroatien. Das macht es so einfach und gleichzeitig auch so schwer, sich für ein Urlaubsziel zu entscheiden. Soll die Reise nicht zu lang sein, bleibt man möglichst weit oben in Istrien oder Norddalmatien; alle anderen zieht es südlicher in Richtung Split oder ganz bis nach Dubrovnik nahe der montenegrinischen Grenze. Und wer möglichst viel sehen und erleben möchte, der fährt gleich den gesamten Küstenstreifen auf der Magistrale ab, herrliche Ausblicke inklusive.

Wir haben uns die Wahl ziemlich einfach gemacht: Da meine Eltern auf der Insel Vir eine Ferienwohnung haben, sollte die Reise zunächst dorthin gehen.

Vir ist eine von etwa 300 Inseln, die zum sogenannten Zadar-Archipel gehören und damit in Norddalmatien liegen. Mit rund 22 Quadratkilometern Fläche ist sie recht überschaubar – fast schon familiär. Drei Orte sind auf der Insel zu finden: das gleichnamige Vir, Ložice – und Torovi. Und genau da, am südwestlichen Zipfel des kroatischen Eilands, liegt auch die Wohnung meiner Eltern, auf deren Grundstück wir uns die ersten zehn Tage nach unserer Ankunft niedergelassen haben.

Der Norden Dalmatiens, die Insel Vir ist mit dem Pfeil markiert (Quelle: www.reiseinfo-dalmatien.de)

Der Norden Dalmatiens, die Insel Vir ist mit dem Pfeil markiert (Quelle: www.reiseinfo-dalmatien.de, bearbeitet)

Es hat ungefähr eine Woche gedauert, bis wir uns akklimatisiert hatten. Soll heißen: Nach dieser Woche war es mir vollkommen egal, welchen Wochentag wir hatten oder wie spät es war. Endlich war das Gefühl verschwunden, ständig etwas erledigen zu müssen (habe ich nicht etwas vergessen, war da nicht noch was …?) oder es innerhalb einer bestimmten Zeit erledigen zu müssen. Dringend sind ohnehin die allerwenigsten Dinge. Kann ich etwas auch erst morgen erledigen? Dann doch lieber morgen! Die kroatische Lebensweise färbt (zum Glück) ab – wenn man es denn zulässt.

Insel Vir in Kroatien Knuffi

Im Schatten unter der Markise lässt es sich aushalten!

 

Die Insel Vir: Ruhe, Ruhe, Ruhe …

So mancher Leser oder so manche Lesern mag sich jetzt fragen: Warum könnte ein Aufenthalt auf Vir für mich interessant sein? Ein genereller Tipp gleich vorweg: Das Leben an der dalmatinischen Küste genießt sich meiner Meinung nach am besten in der Nebensaison, sprich im Frühjahr und im Herbst. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Zum einen ist es in den Sommermonaten mit bis zu 35 Grad für den gemeinen Mitteleuropäer doch recht mollig bis unangenehm, zum anderen sind dann selbst die kleinsten Ferienorte überfüllt. Im Mai hingegen locken frühsommerliche Temperaturen von bis zu 24 Grad, und was der Kroate als Herbst bezeichnet, geht beim Deutschen locker noch als Sommer durch. Aktuelles Beispiel gefällig? Auf Vir werden momentan (13. Oktober, früher Nachmittag) 24 Grad gemessen bei strahlend blauem Himmel, was bedeutet, dass ich mir in den Mittagsstunden lieber ein schattiges Plätzchen suche, um nicht zum Krebs zu mutieren oder auf Hundeart mit heraushängender Zunge vor mich hin zu hecheln. Das Meer ist jetzt schön aufgeheizt und mit 21 Grad Wassertemperatur eine herrliche Erfrischung.

Aber zurück zu Vir. Der Reiz der Insel lässt sich für mich mit folgenden Schlagworten am besten beschreiben: Ruhe, Natur, Ursprünglichkeit, Gelassenheit. Wer sich abends in Torovi schon einmal an den naturbelassenen Steinstrand gesetzt, den Grillen und der Meeresbrandung gelauscht und den atemberaubenden Sternenhimmel über sich bestaunt hat, in dem die Sterne tausendfach wetteifern, wer denn der schönste unter ihnen sei, und die Milchstraße deutlich zu erkennen ist (nein, man muss nicht nach Neuseeland, um in den Genuss eines solchen Anblicks zu kommen!), der weiß, wovon ich spreche. Kein Hintergrundrauschen unserer Zivilisation ist hier zu hören, keine Automotoren, kein Fabriklärm, keine wummernden Bässe – nichts! Von den gelegentlichen Vorbeifahrten einzelner Fahrzeuge und dem Bellen eines Hunds einmal abgesehen.

Insel Vir in Kroatien Strand

weitgehend unberührte Natur am Strand von Torovi auf Vir

Aber so wirklich rund wird der Eindruck erst durch die vollkommene Dunkelheit. Sobald sich die Augen an diese Dunkelheit gewöhnt haben, wird auf einmal ganz viel sichtbar: Lichter auf dem Meer, die Fischerboote zu kleinen leuchtenden Inseln auf dem endlosen schwarzen Spiegel des Meeres machen, die Silhouetten von Kiefern und Pinien, die sich leicht in der schwachen Brise hin und her wiegen, kleine Schatten, die zwischen Steinen umherhuschen, und natürlich dieser bombastische, gigantische, alles übertreffende Sternenhimmel. Wer sollte sich bei diesem Schauspiel noch fragen, wo unser Garten Eden abgeblieben ist …?

Was ich an Kroatien ganz allgemein liebe, ist die Ursprünglichkeit, die an vielen Orten zu finden ist. Dort wurde noch nicht alles plattgewalzt oder schick gemacht, und wenn man Lust hat, sich in der ausgeleierten Jogginghose in ein Café zu setzen, dann macht man das eben. Ganz besonders gilt das für Vir. Man lebt und lässt leben – und wer den Kontakt zu den Einheimischen sucht, der wird sich keine große Mühe geben müssen. Ein einfaches „Dobar dan!“ zur Begrüßung genügt, der Rest ist ein Kommunizieren mit Händen und Füßen und einem Mischmasch aus deutschen, englischen und kroatischen Wörtern. Alles kein Problem. Oder besser gesagt: Nema problema! Jeder scheint hier Zeit für einen Plausch zu haben: an der Supermarktkasse, auf der Straße, im Café, aus einem geöffneten Autofenster heraus. Ich glaube, ich beuge mich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass die Zahl der Burnouts auf Vir gegen null geht (sollte das Phänomen hier überhaupt bekannt sein).

Insel Vir in Kroatien Feigenbaum

Der Feigenbaum hinter dem Knuffi, der reichlich Früchte trägt

 

Abwechslung in der Stadt Zadar

Wer der Stille und Einsamkeit irgendwann überdrüssig wird, dem bieten sich eine Menge Möglichkeiten, sich unter Leute zu mischen oder die Region rund um Zadar näher zu erkunden. Da wäre zunächst einmal die mittelalterliche Stadt Zadar selbst, die außer der sehenswerten Altstadt mit Ausgrabungsstätte, Archäologischem Museum und einer Vielzahl von Boutiquen und Cafés (übrigens verfügt hier so gut wie jedes Café über kostenloses Wifi!) eine wirklich schön gemachte Strandpromenade mit einer „Meeresorgel“ (bestehend aus 35 Röhren, die durch die Wellen des Meeres tiefe und unglaublich beruhigende Töne erzeugen) und unzählige Bars, Nachtclubs und Restaurants zu bieten hat. Weitere Ausflugsziele sind beispielsweise die Insel Pag, quasi die Nachbarin von Vir mit herrlichen Sandstränden und bekannt für ihren Ziegenkäse („Paski Sir“), und natürlich der Nationalpark Plitvicer Seen mit seinen Wasserfällen, in dem Szenen aus dem Winnetou-Film „Der Schatz im Silbersee“ gedreht wurden. Es würde hier allerdings zu weit führen, auch nur einen Bruchteil der Orte, Städte, Naturparks und Inseln aufzuzählen, die nicht allzu weit entfernt liegen und einen Besuch wert sind.

Daher mein ultimativer Tipp zum Schluss: Setzt euch in den Flieger oder ins Auto und erkundet das Land selbst! Ihr werdet auf gastfreundliche, hilfsbereite, kontaktfreudige und entspannte Menschen stoßen – und vielleicht auch auf uns, wenn ihr Glück habt … Einen kleinen Eindruck von Vir möchte ich euch mit unserer Bildergalerie vermitteln.

4 Gedanken zu “Reif für die Insel: Vir, eine Oase der Ruhe

  1. Hallo Ihr Lieben,
    freue mich, dass es Euch allen gut geht. Habe gerade euren Artikel “ Reif für die Insel“ gelesen. Sehr schön geschrieben & vor allem die Stimmung auf Vir richtig gut getroffen. Wenn ich dann noch die Bilder vom verlassenen Strand sehe, bekomme ich richtig Fernweh. Lasst es euch weiter gut gehen. Werde euren Blog weiter aufmerksam verfolgen. Lago Notsch & euch noch eine schöne Zeit auf Vir.

    Bruderherz

  2. Danke für den tollen Artikel. Ich habe gerade eben 7 Tage Vir gebucht. Ein Mietwagen wird auch noch geordert und dann gehts im Juni nach Kroatien. 🙂 Als Kind war ich damals noch in Jugoslawien (Makarska) und kann mich noch leicht an die tolle Landschaft erinnen. Bin gespannt wie es in Vir ist. Habt ihr eigentlich Sandstrände in der gegen entdeckt? Ich habe bisher nur Kieselstrände auf Bildern gesehen.

    • Hallo Natascha,

      danke für deinen Kommentar! Ich freue mich, wenn ich dir mit dem Artikel Lust auf Vir und Kroatien allgemein machen konnte. Mit dem Mietwagen hast du natürlich alle Möglichkeiten, dir die Region genauer anzusehen und z. B. zu den Plitvicer Wasserfällen zu fahren. Im Juni dürfte es schon richtig, richtig warm sein, aber der Hauptansturm der Touris kommt eher ab Juli/August.

      Sandstrände gibt es so gut wie keine in der Gegend, meist handelt es sich (wie auf Vir) um naturbelassene Stein-/Felsstrände, auf die feineres Kies geschüttet und geebnet wird. Badeschuhe sind zu empfehlen, um gut ins Wasser zu kommen (viele Steine).

      Ich wünsche dir eine tolle Zeit auf Vir, viel Sonne, Entspannung und interessante Ausflüge! Ein Bericht von deinem Urlaub ist immer willkommen. 🙂

      Liebe Grüße,
      Claudia

      • Huhu und danke für die Antwort 🙂 geplant ist es eh, das wir uns die Wasserfälle ansehen und mit dem Auto schauen wir einfach, wo es uns hintreibt 🙂

        Ich freu mich auch sehr und muss mir wohl jetzt mal ein paar Badeschuhe zulegen 😀

        Danke

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